Vampirstory Nicole Maier
„Hi, ich bin Elektra und seit drei Jahren gehöre ich nicht mehr zur menschlichen Rasse, aber seither lebe ich und zwar außerordentlich gut. Wie alles begann, nun es war Halloween und in unserem Gemeindehaus fand diesbezüglich ein Ball statt. Im Prinzip ist der Ball ein Flop gewesen, denn die hiesigen Dorfbewohner beschäftigten sich lieber damit, die Bar leer zu trinken. Auch die Musik ist zum kotzen gewesen. Ich langweilte mich zu Tode, selbst als ich tanzte. Irgendwann bestellte ich mir eine Cola um munter zu werden, als neben mir ein interessanter Fremder stand. „Hier ist die Musik richtig lahm, nicht wahr?“ Meinte er an mein Ohr, ich drehte mich um und blickte in seine blauen Augen, dann in sein edles Gesicht. „Ja, Symphonic – Metal wäre jetzt genial!“ „Dein Wunsch ist mir Befehl!“ Sagte der Unbekannte und lief zum DJ, als er sich an mir vorbeidrängte streiften seine Finger meine Taille. (Mein Gott wurde ich elektrisiert)!!! Heute weiß ich zwar wie der Fremde es angestellt hat, den DJ zu manipulieren, aber vor drei Jahren bin ich einfach nur platt gewesen. Er kam retour, verbeugte sich wie die Männer vor zweihundert Jahren vor mir und streckte seine Hand der meinen entgegen: „My Lady, darf ich um den Tanz bitten?“ Ich stellte mein Cola achtlos zu Seite und knickte belustigt: „Herzlich gerne, my Lord!“ Wir tanzten den gesamten Abend lang, nach Mitternacht wurde Himbeerlikör unter den Gästen ausgeschenkt mit den Worten: „Liebe Zombies, verehrte Hexen, sowie die adligen Vampire unter euch, wir erheben unsere Gläser und stoßen auf die Geisterwelt an!“ Alle prosteten in die Luft und schlürften den blutdarstellenden Likör. Mittlerweile kannte ich den Vornamen meiner Eroberung – Tristan! Tristan überzeugte mich davon mit ihm einen Spaziergang zu unternehmen und galant ließ ich mich von ihm entführen. Unser Spaziergang war von kurzer Dauer (keine zwei Minuten), Tristan hielt das schmiedeeiserne Tor zum Friedhof auf. Der bergaufführende Weg zur Kapelle, ist von brennenden Totenlichtern gesäumt gewesen. Erstaunt riss ich meine Augen auf und fragte: „Tristan, hast du in meinen Gedanken gelesen, dass hab ich mir immer gewünscht!“ Er führte meine Hand an seine Lippen und erklärte rasch: „Verehrteste, dafür muss ich nicht in deinen Kopf, du bist zum Vampir geschaffen, lediglich solltest du einer werden! Komm und folge mir in die Nacht!“ Es war morbid – romantisch und zugleich wunderschön. Ohne ein Zutun von Tristan öffneten sich die beiden Flügeltüren zur Kapelle und auf einem Diwan, in der Mitte des Raumes, lagen Rosenblätter in der Farbe des Blutes verstreut. Wir küssten uns, plötzlich befahl mir Tristan: „Beiß mich und trink von mir!“ Dies ließ ich mir nicht zwei mal sagen und ich kostete von seinem herrlich, pikanten Blut aus der Halsschlagader. Kurz darauf ließen wir unseren Körper freien Lauf und während ich die Stufen zur Himmelsleiter erklomm, raubte Tristan mir mein Blut und letztlich mein Leben.

Es ist im Morgengrauen gewesen, als ich neu geboren wurde. Ich versuchte mich zu erinnern wo ich bin und wie ich hierher gekommen war. Langsam fielen mir die Geschehnisse wieder ein. Ich setzte mich auf und erkannte, dass ich ein halboffenes Korsett trug und mich in einem achteckigen, kleinen Raum befand. Die Friedhofskapelle!!! Schoss es mir durch den Kopf. Etwas verstört stand ich auf und ordnete meine Kostümierung des vergangenen Abends. An der Türe hängte ein Brief für mich, was ich darin Ias verschlug mir die Sprache: ,,Liebste Elektra, es ist mir eine Ehre gewesen Dich zu verwandeln. Ja, ich weiß es war dein größter Wunsch so zu sein wie ich es von Anbeginn meiner Zeit bin – ein Vampir. Nutze dieses Geschenk der Manipulation und der Heilung! Danke übrigens für Deine gastfreundliche Betreuung gestern Nacht. Eines fernen Tages werden wir uns wieder begegnen. In tiefer Verbundenheit, Dein Tristan. P.S.: Der Mond an Deinem linken Ringfinger schützt Dich vor Verbrennungen durch Mondlicht. Die Sonne an Deinem rechten Zeigefinger bewahrt dich zu Staub zu zerfallen bei Sonnenlicht. Nimm diese beiden Ringe niemals ab, denn sonst endet Deine Unsterblichkeit. Viel Glück!“

In der ersten Zeit nach meiner Verwandlung war ich echt schräg drauf. Nun ja, ich übte Rache, an all den Menschen die mir irgendwann einmal weh getan haben und ich genoss es diese Arschlöcher leiden zu sehen. Vor allem einen hat es ganz übel erwischt, aber C‘est la vie der Typ hatte es nicht anders verdient! Er wurde am Morgen gefesselt auf seinem Bürostuhl gefunden. In seinem Mund steckte seine Männlichkeit, seine Augen zur Raumdecke verdreht und sein Herz lag auf der Computertastatur. Speziell ging ich auch gegen Raucher vor, da ich deren Blut ohnehin nicht konsumieren kann, sind sie nutzloser Müll für mich. Einige manipulierte ich und brachte sie dazu ihre brennenden Zigaretten zu essen – ha, ha, die Idioten starben an Vergiftungen. Wie heißt es so schön auf den Zigarettenschachteln „Rauchen kann tödlich sein!“ Ach, die Geschichte von drei Handwerkern ist lustig. Also den Fliesenleger habe ich ganz langsam einzementiert (der Angsthase hat gezittert und geflennt) und danach wurden seine Gesellen von mir manipuliert ihn mit kunstvoll bemalten Kacheln zu bedecken. Den Elektriker band ich auf einen Stuhl in einer Duschwanne und bat ihn (unter Manipulation natürlich) mir zu verraten welche Kabel ihm den Tod bringen. Beinahe enthusiastisch erklärte mir der Elektriker, die Bedeutung von Gleich – und Wechselstrom, doch endete seine Exkursion abrupt als ich den Knauf der Dusche betätigte. Danach hatten seine Haare den perfekten halt (ganz ohne „Drei Wetter Taft“). Bei dem Gas- Wasserinstallateur musste ich total kreativ werden, denn dieser rüpelhafte Mensch war zu dick um ihn in eines seiner Abflussrohre zu stecken. Ebenso verspürte ich keine Lust eine Sauerei zu machen und ihn Häppchenweise das Klo runter zu spülen. Jedoch kannte ich seine Schwäche, die machte ich zu meiner Stärke – er musste diverse Stimulationsmittel schlucken damit er Manneskraft hatte. Darum überzeugte ich ihn, alle seine blauen Pillen mit Whisky runter zu spülen – der „Super – Handwerker“ bekam einen hochroten Kopf (durch den künstlich ausgelösten Bluthochdruck), dann hörte einfach sein Herz zu schlagen auf.

Was auch extrem amüsant gewesen ist, als ich meinen Banker manipulierte und ihn höflich um den Inhalt des Banktresors bat. Später, ich schritt durch die Stadt, habe ich die Gedanken der Menschen gehört und jeder Person die ehrlich bedürftig gewesen ist, angehalten und jedem einzelnen 200 Euro zu gesteckt (logischerweise musste ich jedem Menschen eine Geschichte erzählen und diese Leute vergessen lassen von wem sie dieses Geld haben).

Aber das positive und beste an meinem neuen Leben ist meine Gesundheit, ich habe absolut nichts mehr. Meine Narben sind verschwunden und nicht einmal eine Erkältung kann mich heimsuchen. Inzwischen bin ich sogar erfolgreiche Schriftstellerin und nimm monatlich Unsummen an Geldern ein. Wie dies zu Stande kam? – Ich überzeugte (dank Manipulation) die ortsansässigen Firmen meine Sponsoren zu sein und mit diesen Geldern publizierte ich meine Romane. Jetzt brauche ich die Sponsoren nicht mehr, denn meine Bücher finanzieren sich von alleine. Meine Familie glaubt ich hatte einfach nur Glück gehabt – ich weiß es besser!!! Jedenfalls können meine Lieben sich jetzt an einem sehr viel besseren, gerechteren Leben erfreuen und bis zum Ende ihrer Tage sorgenfrei, sowie luxuriös leben.“

© Nicole Maier/Rani Shahima

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